So lebte man damals im Nordend - Zahlreiche Frankfurter und Bewohner des Nordends haben sich die Ausstellung vom 11.8. bis 9.9.2012 angesehen

September 2012

 

Wir zeigen Ihnen hier alle Tafeln nacheinander, das bietet einen guten Überblick.

 

1. Das Nordend - Geschichte und Gegenwart

Man sagt, die Bezeichnung „Nordend“ wurde in Frankfurt seit ca. 1850 üblich. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es einzelne Gutshöfe, wie z.B. den „Adlerflichtscher Hof“, den „Stalburgischer Hof“, den „Holzhausentscher Hof“ und den „Bertramshof“. Auch gab es etliche Weinberge vor den Toren der Stadt, wie man heute noch am Lohrberg sehen kann.
Zur „Holzhausenöd“ führte auch schon im Mittelalter der Oeder Weg. (Das Wort „Oed“ kommt von „Od“ u. bedeutet wertvoll; Siehe „Kleinod“).
Eine nachhaltige Bebauung des Nordends begann um die Mitte des 19. Jahrhunderts und erreichte ihren Höhepunkt in den Jahren zwischen 1890 und 1914 (Beginn des 1. Weltkrieges). Die eigentlichen Gründerjahre zwischen 1870 und 1890 waren schon vorüber.
Das Holzhausenviertel wurde erst ab 1910 bebaut. Größere Industriebetriebe konnten in dem intensiven Wohngebiet keinen Platz finden. Ausnahme bildet die 1908 gegründete Firma Merz an der Eckenheimer Landstraße (Ecke Glauburgstraße). Merz ist heute mit seinen ca. 1.500 Mitarbeitern der größte gewerbliche Arbeitgeber des Nordends.
Die genaue Abgrenzung zwischen dem Nordend und Bornheim ist für viele ein Problem, da die Gemarkungsgrenze ursprünglich entlang der Friedberger Landstraße, der (heutigen) Rothschild- und der Günthersburgallee verlief. So kommt es, dass viele, die im östlichen Nordend und nördlich der Rothschildallee wohnen, behaupten, sie wären Bornheimer. Heute verläuft die Trennungslinie den Sandweg entlang.
Die offizielle Grenze des Nordends wurde mit der Erschaffung der Ortsbeiräte 1972 festgelegt. (Siehe Karte!) Die Begrenzung des Nordends ist allerdings nicht ganz identisch mit der Begrenzung des Ortsbeirats (3) Nordend. Eigentlich ist das Stück zwischen Wiesenstraße und Arnsburger Straße bis zum Bürgerhaus Bornheim auch noch Nordend, gehört aber nicht mehr zum OBR (3), sondern zum Ortsbeirat Bornheim (4) Bei der letzten Kommunalwahl im Jahr 2007

erreichten im Nordend die Grünen 33,6%; die CDU 27,9%, die SPD 18,4%, die Linke 7,6%, die FDP 6,7% u. ÖkolinX 4,3%.
Das Nordend hat derzeit etwa 56 000 Einwohner und gilt als das Stadtgebiet mit der höchsten Einwohnerdichte Europas. Es überwiegen die Single-Haushalte, obwohl sich in den letzten Jahren das Nordend zu einem der geburtenfreudigsten Stadtteile Frankfurts entwickelt hat.
Statistische Erhebungen unterscheiden zwischen Nordend West und Nordend Ost. Hier ist die Friedberger Landstraße die Trennungslinie. Und in der Tat findet man westlich der Friedberger Landstraße i. d. R. die größeren Wohnungen mit vier bis fünf Zimmern. Im östlichen Teil überwiegen die Dreizimmer-Wohnungen.
Das Nordend beherbergt viele Institutionen von überregionaler Bedeutung: die Deutsche Nationalbibliothek, den Hessischen Rundfunk, dessen Rotunde (Rundbau) nach dem 2. Weltkrieg als Bundestag vorgesehen war, die Fachhochschule, das Polizeipräsidium, die Stiftung Blindenanstalt, das Gehörlosenzentrum, die Frankfurter Bürgerstiftung im Holzhausenschlösschen, das Russische Generalkonsulat am Oeder Weg, sowie etliche andere Konsulate. Mit seinen 110 Metern ist das sogenannte Shellhochhaus (errichtet 1966 v. der Firma Shell) das höchste Gebäude im Nordend (jetzt BCN, Bürocenter Nibelungenplatz) Das Nordend hat fünf Krankenhäuser, etliche Schulen und viele ausgezeichnete Kneipen und Restaurants.
Wegen der dichten Bebauung sind im Nordend legale Parkplätze äußerst knapp, zumal etliche Dachgeschosse in Wohnungen umgewandelt wurden. Für viele ist der soziale Wandel des Nordends ein Problem, da die Mieten ständig steigen und weiterhin Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt werden.
Die Nordendbewohner lieben das Fahrrad, was man an den neu errichteten Gehwegnasen sehen kann, auf denen Fahrradständer installiert wurden, um die Autos vom Bürgersteig abzuhalten.

Text: J.H.

 

2. Einkaufen

Das Nordend zeichnete sich durch viele kleine Läden und Handwerksbetriebe aus. Viele Läden waren an den Straßenkreuzungen, die Betriebe oft in den Hinterhöfen zu finden. Die Hausecken an den Kreuzungen waren abgeschrägt und dort für die Ladeneingänge oft mit kleinen Stufen versehen.
Die meisten Läden sind verschwunden, ebenso die kleinen Handwerksbetriebe. Interessanterweise haben die Apotheken und die Gastwirtschaften (wegen der Brauereien) ihren Standort über die Jahrhunderte erhalten.
Es gab verschiedene Arten von Metzgereien – z.B. Schweineschlachter, Rindermetzger etc. Sogar Milchläden gab es bis in die 40er Jahre des 20. Jahrhunderts. Der Bäcker ließ beispielsweise das Brot mit dem Fahrrad bei Bedarf ausfahren. Sogenannte „Tante-Emma-Läden“ dominierten das Nordend. Heute muss man beispielsweise, nur um einen Knopf zu kaufen, in die Innenstadt fahren oder das Internet bemühen.
(1) „Brot-u-Keks-Fabrik im Osthafen“ in der Vogelsbergstr. Heute gibt es im Nordend nur noch drei Bäckereien: Bäckerei „Kronberger“ in der Vogelsbergstraße, „Gehlfuß“ ehemals „Witschoreck“ in der Schwarzburgstraße und „Kornkammer“ v. Harald Kummer in der Rohrbachstraße.

(2) Metzgerei Müller 1930 an der Ecke Glauburgstr./Gluckstr. (heute Tabakgeschäft).

(3) Lebensmittel u. Delikatessen Hans Ponnitz in der Spohrstraße/ Glauburgstraße.

(4) Innenansicht der Luisenapotheke, die noch heute an der Ecke Alleenring/ Martin-Luther-Str. steht. Früher ging die Luisenstraße bis zur Hallgartenstraße. Erst 1917 „entstand“ durch Umbenennung die Lutherstraße.

(5) Schlachterei Nordend in der Glauburgstraße.

(6) Obst- und Gemüsegeschäft in der Glauburgstraße (Nähe Friedberger Ldstr.) Heute ist der Laden wieder ein Obstgeschäft mit Fischverkauf, zwischenzeitlich war dort die Metzgerei „Burghardt“.

(7) Innenansicht eines Lebensmittelladens. Die Waren wurden noch im Laden abgewogen u. abgepackt.

(8) Arbeitsraum der Blindenanstalt. Heute „Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte“ (gleich neben dem Kino „Mal seh´n“ in der Adlerflychtstraße) Man beachte in der Mitte des Bildes die Erhöhung des Stuhles, um besser arbeiten zu können.

 

3. Verkehr

(1) Die Kutsche aus dem Jahr 1932 (in der Hansteinstraße) war schon lange nicht mehr wichtigstes Verkehrsmittel in der Stadt, wurde aber gern bis in die 50er Jahre benutzt, um ein Brautpaar zur Trauung in den Römer zu fahren.

(2) Die Tram (Straßenbahn) wurde zunächst von einem Pferd gezogen, bevor in Frankfurt 1884 die Elektrifizierung begann. Das Bild stammt aus dem Jahr 1893. Im Hintergrund sind die Berger Straße und die Eichwaldstraße zu sehen.

(3) Hier in der Berger Straße wird die Bahn auch noch mit Pferd gezogen.

(4) Eine Tankstelle in der Glauburgstraße nähe Oeder Weg aus der Nachkriegszeit. Im Hintergrund kann man die Garagen erkennen, die es heute noch gibt. Das Foto könnte aber auch erst um 1970 entstanden sein.

(5) Wer hätte heute nicht gern ein solches Auto? (BMW) Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1935 (?).

(6) Kaum zu glauben! Das ist die Kreuzung Eckenheimer Landstraße/Glauburgstraße, wo heute ein Aldi-Markt steht. In der Nachkriegszeit stand dort ein Kino, das später abgerissen wurde. Gerne hätten viele Anwohner an der Eckenheimer Landstraße eine Niederflurstraßenbahn. Aber daraus wird wohl nichts…

(7) Diese Werkstatt in der Schwarzburgstraße gab es bis 1994. Dort konnte man auch tanken. Heute ist dort die Spenglerei Rautenberg ansässig.

(8) Dieser Standplatz für Taxis war in der Rat-Beil-Straße eingerichtet, an der südlichen Mauer des Hauptfriedhofes.

(9) Den Bub gibt es noch heute, allerdings als erwachsenen Mann. Das Auto (ein 12-Zylinder Marke Adler Favorit) stand in der Hansteinstraße 12. (Straße zwischen Eckenheimer Landstraße und Humboldtstraße)
Text: J. H.

4. Friedberger Landstraße

(1) Die Friedberger Landstraße beginnt für das Nordend südlich der Friedberger Warte, die zu Bornheim gehört. Um den Autoverkehr ungehinderter nach Frankfurt ein-und ausfließen zu lassen, wurde 1970 diese Straße verbreitert, begradigt und verlegt. Der südliche Teil wurde in „Merkatorstraße“ umbenannt. (2) Das Foto (6) zeigt die heutige Merkatorstraße in Richtung St. Peters-Kirche.
Im Zuge dieser Baumaßnahmen wurde auch das Hessendenkmal versetzt. (3) Das Hessendenkmal wurde zum Andenken an die Soldaten hessischer Einheiten errichtet, die im Dezember 1792 bei der Rückeroberung Frankfurts von französischen Truppen getötet wurden. Ganze sechs Wochen lang war Frankfurt von der französischen Revolutionsarmee besetzt. Die Namen der 82 gefallenen Hessen sind auf dem Denkmal verewigt. Es wurde 1793 vor dem Friedberger Tor aufgestellt, wo die meisten der hessischen Soldaten gefallen waren. Gestiftet wurde es vom preußischen König Friedrich Wilhelm II.

Der Friedberger Platz hat auch im Laufe der Jahrhunderte viele Änderungen erfahren. In der Mitte stand eine Litfasssäule (4) u. (5). Straßenbahnen kreuzten den Platz, denn eine Querlinie verband die Bornheimer Ldstr. mit der Koselstraße. (4)
Später umspülte der Autoverkehr vollständig den Platz. Bis in die 80er Jahre dominierten zwei Tankstellen den Platz, recht und links der Friedberger Ldstr. (7) (8) Erst im Jahre 2000 wurde die Umgestaltung des Friedberger Platzes realisiert. Über 15 Jahre hat es gedauert, bis eine Anregung des Ortsbeirates umgesetzt wurde. Auf der westlichen Seite des Platzes entstand ein „Spendenwald“, unter dem man Boule spielen kann. (8)
Auf dem eigentlichen, großen Platz entstand ein Wochenmarkt, der sich Freitagabend einer solchen Beliebtheit erfreut, dass man kaum noch einen Stehplatz findet. Dort wird bis in die Morgenstunden gefeiert, so dass sich viele Anwohner über den Lärm u. den zurückbleibenden Schmutz beschweren. (9)

Text: J.H.

5. Günthersburgallee und andere Häuser

(1) vermutlich Rohrbachstraße 18

(2) Gluckstraße 10

(3) Metzgerei Franke 1912
Neuhofstr. 6.

(4) Bäckerweg 46 1909

Wir haben uns natürlich gefragt, warum bei alten Haus-Fotografien immer so viele Leute zu sehen sind. Wir wissen, dass damals das Fotografieren eine teure und seltene Angelegenheit war. Vermutlich wurden daher alle Hausbewohner mit einem Foto „verewigt“. Insbesondere zeigten sich gern die Kinder, die sonst auf der Straße spielten.

(5) Das müsste die Günthersburgallee sein, von der Stelle aus gesehen, wo heute ein Kinderspielplatz ist (zwischen Vogelsbergstraße und Rothschildallee). Man beachte die schwarz weiß rote Reichs-Fahne, rechts im Bild. 1907.

(6) An der Stelle des Springbrunnens zu sehen ist heute in etwa die Bushaltestelle der Linie 32.

(7) Hier ist die Günthersburgallee vom Friedberger Platz aus zu sehen. Das Lokal auf der rechten Seites ist heute das „Harvey´s. In dem Haus wohnte einst ein Frankfurter, als er noch nicht Außenminister war.

In der Günthersburgallee oberhalb des Alleenringes sollten1987 die Gleditschien (Bäume, die um 1900 gepflanzt wurden) aus Sicherheitsgründen gefällt werden. Anwohner, der Ortsbeirat und insbesondere die Grünen im Nordend waren dagegen. Einer von ihnen kettete sich sogar bei der Fällaktion an einem Baum. Es half alles nichts – die alten Bäume wurden gefällt und dafür neue (amerikanische Linde) gepflanzt, die heute noch stehen.

 

6. Kneipen

zu 1) Die Gastwirtschaft „J.J.Jungel“ mit eigener Kelterei und Lagerbier lag in der Vogelsbergstraße 17. Der Apfelweinkranz war schon damals ein Symbol für den neuen Apfelwein. Lange Zeit war in diesem Haus die Gastwirtschaft „Nagell“. Heute ist dort eine Lotto-Toto-Annahmestelle mit einem Kiosk. Rechts vom Haus ist die wunderbare Bäckerei „Kronberger“.

zu 2) Die Gaststätte „Zur Stadt Wenings“ stand in der Leibnizstraße. Nur das Bier stammte aus der Brauerei „Kempff“. Das Foto ist aus dem Jahre 1910.

zu 3) Das Fassbier wurde nicht nur von der Bindingbrauerei im Pferdefuhrwerk ausgefahren. Bei feierlichen Anlässen erschien eine Reiterstaffel mit Zylinder und Schärpe. Hier sind die Herren in der Spessartstraße/ Mainkurstraße (Bornheim) zu sehen.

zu 4) Das Weinrestaurant „Münchenbach“ lag 1909 noch an der Friedberger Landstraße/ Ecke Mauerweg. Heute hat dieses Haus die Anschrift Merkatorstraße 24, weil die Friedberger Landstraße verlegt wurde.

zu 5) Das Restaurant „Geier“ an der Ecke Eckenheimer Landstraße/Schwarzburg-straße, hieß zwischenzeitlich „Holetzke“ und heißt jetzt „Quan Van“ und wird von Vietnamesinnen geleitet Das Haus nebenan ist im Krieg zerstört und ist nie wieder vollständig aufgebaut worden. In dem jetzt „kleinen Haus“ ist wieder ein Lokal eingerichtet; steht zurzeit allerdings leer.

zu 6) Die Restauration „Elkenburg“ mit eigener Schlachterei war an der Ecke Bornheimer Landstraße/ Elkenbachstraße zu finden. Heute ist dort die Gastwirtschaft „Eckhaus“.

Zu 7) „Zum Alleehaus“ an der Nibelungenallee 29 ist heute das Weinlokal „Wein Bächer“. Vorher waren an gleicher Stelle das „Allleehaus“ und das Restaurant „Casa sul Viale“ zu finden.

Zu 8) „Zur Eckenheimer Warte“ ist heute ein chinesisches Restaurant mit dem Namen „Drachen“. Man beachte die Pferdefuhrwerke in der Eckenheimer, die vermutlich Bier gebracht haben.

 

7. Institutionen

(1) Die Taubstummen – und Erziehungsanstalt an der Rothschildallee wurde von dem Frankfurter Lehrer Ludwig Kosel (Koselstraße!) gegründet. Die finanziellen Mittel wurden zunächst durch private Spenden aufgebracht, bis schließlich 1861 eine Stiftung des öffentlichen Rechts entstand. Das hier zu sehende Gebäude wurde im Jahre 1900 errichtet, 1943 als Lazarett benutzt, um schließlich im Jahr 1971 abgerissen zu werden.
Das neu errichtete Zentrum an der Rothschildalle16a wurde erst 1977 fertig. Die Stiftung wurde im Jahr 2008 in „Frankfurter Stiftung für Gehörlose und Schwerhörige“ umbenannt.
In dem „Gehörlosenzentrum“ kann man aber auch Räumlichkeiten wie den großen Versammlungsraum mieten. (z.B. für Faschingsveranstaltungen oder es tagt bisweilen der Ortsbeirat dort.)

(2) Die Firma Merz wurde von dem Erfinder und gelernten Chemiker Friedrich Merz 1908 zunächst in einem Hinterhaus in der Moselstraße gegründet. Der Betrieb wurde ein Jahr später in die Weberstraße und 1911 in die ehemalige Zigarettenfabrik an der Eckenheimer Ldstr. 100 verlegt.
Die Firma stellt pharmazeutische Produkte her und hat etliche Patente entwickelt. Ältere erinnern sich sicherlich an die Dragees mit dem Slogan: “Schönheit, die von Innen kommt!“ Ob´s geholfen hat? Heute ist Merz mit ca. 1.500 Mitarbeitern der größte gewerbliche Arbeitgeber im Stadtteil.
Viele, die Aldi auf der Eckenheimer kennen, wissen nicht, dass dieses Eckgrundstück jetzt der Firma Merz gehört, dass dort eine „Villa“ war, in der die KPD/AO ihren Sitz hatte. Ein Kino war nach dem Krieg auf der Ecke Glauburgstraße/ Weberstraße.

(3) Das Wiesenhüttenstift in der Richard-Wagner-Straße (1911 erbaut) war lange Zeit eine Versorgungsstätte für alte, nicht vermögende Menschen und erfüllte den Stiftungszweck dort bis zum Jahr 2007. Der Name geht auf den Stiftungsgründer Freiherr v. Wiesenhütten zurück.
Das Foto stammt von einer offiziellen Postkarte der Stiftung. Diesen intensiven Baumbestand um das Gebäude hat es nie gegeben. Technik macht´s möglich!! 2007 wurde das denkmalgeschützte Gebäude über die FAAG (Frankfurter Aufbaugesellschaft) an Privatpersonen verkauft. Es entstanden 82 Eigentumswohnungen. Der qm-Kauf-Preis soll bei 4.000€ gelegen haben.

(4) Das Kinderheim in der Böttgerstraße wurde um 1900 erbaut, ist heute in städtischem Besitz. Dort haben sich einige Ärzte niedergelassen, die sich um Geburt, Mütter u. Kinder kümmern. Die Karte stammt aus dem Jahr 1904.

(5) Das katholische Schwesternhaus Frankfurt in der Koselstraße war ursprünglich das Stammhaus des St. Marienkrankenhauses. Die „Schwesternschaft der Armen Dienstmägde Jesu Christi“ eröffnete 1892 in der Koselstraße eine Filiale unter dem Namen „St. Joseph-Krankenhaus“. Das hier abgebildete Gebäude wurde 1907 erbaut.
Das Schwesternwohnhaus wurde später in „Koselburg“ umbenannt u. diente als Studentenwohnheim bis zum Jahr 2008. Heute (2010) steht das Gebäude leer und es gehört dem Gesamtverband der katholischen Kirchengemeinden.

Text: Jörg Harraschain

 

8. Evangelische Wartburgkirche

Im Jahre 1955 wurde die Evangelische Wartburggemeinde gegründet. Zunächst feierte die Gemeinde ihre Gottesdienste im Gemeindehaus der damaligen Johannisgemeinde in der Günthersburgallee 94. Weil die Gemeinde ständig wuchs, wurde schon bald mit der Planung und Errichtung einer neuen Kirche begonnen. An der Kreuzung Hartmann-Ibach-Straße und Hallgartenstraße entstand die Wartburgkirche.

(1) (2) Der Architekt Werner W. Neumann schuf nach dem 2. Weltkrieg noch sechs weitere Kirchen in Frankfurt. Die Wartburgkirche wurde als Hallenkirche mit einem Campanile (frei stehender Turm) erbaut. Dieser Turm, 41 Meter hoch, wurde im ersten Bauabschnitt fertiggestellt und am 15. Oktober 1960 eingeweiht.
(5) Die Glocken wurden am 17. Oktober 1960 eingeholt und in den Turm gebracht. (4) Sie stammen von der Firma Rincker in Sinn. Am 6. November 1960 erklangen die Glocken dann zum ersten Mal. Die Kirche selbst wurde dann am 18. Februar 1962, dem Todesgedenktag Martin Luthers, von den beiden damaligen Pfarrern, Herrn Marhold und Herrn Bastian, und unter Beisein des damaligen Kirchenpräsidenten, Martin Niemöller, eingeweiht.
Die Wartburgkirche wurde im Jahre 2000 unter Denkmalschutz gestellt. (3) (Foto 2010) Bis heute ist die Wartburgkirche für viele Menschen im Stadtteil ein Bezugspunkt und ein Zuhause. Mit ihrer markanten Form und ihrem nicht zu übersehenden Turm gehört sie zum Erscheinungsbild des Stadtteils hinzu. Durch die Stadtentwicklung der letzten Jahre und die Entstehung der Neubaugebiete um die Friedberger Warte/Friedberger Landstraße steht die Wartburgkirche nun nicht mehr im Randgebiet des Nordends.

Text: J. H.

9. Philantropin

 

 

Das Philanthropin liegt in der Hebelstraße, einer Seitenstraße der Eckenheimer Landstraße, in der Nachbarschaft zur Musterschule.

Das Philanthropin (deutsch: Stätte der Menschlichkeit) war eine der Schulen der ehemaligen Israelitischen Gemeinde in Frankfurt am Main. Es bestand von 1804 bis zur Schließung durch die Nationalsozialisten 1942. Mit bis zu 1000 Schülern war es die größte und am längsten bestehende jüdische Schule in Deutschland.

Das denkmalgeschützte Gebäude wurde 1908 als Schulgebäude mit einer Turnhalle erbaut, was damals noch ungewöhnlich war. Seit dem Schuljahr 2006/2007 ist es Sitz der Isaak-Emil-Lichtigfeld-Schule, einer Grundschule (Klassen 1–4) mit Gymnasium (Klassen 5–9) in Form einer Ganztagsschule der 1949 wiedergegründeten Jüdischen Gemeinde Frankfurts.

Nach dem Krieg hatte das Gebäude von 1954 bis 1978 als Verwaltungszentrum der Jüdischen Gemeinde gedient, die es 1978 an die Stadt verkaufte. Von 1986 bis 2004 war das Philanthropin ein städtisches Bürgerhaus und Sitz des Dr. Hoch’schen Konservatoriums, das in die Sonnemannstraße (Ostend) verlegt wurde. Zwischenzeitlich diente das Philanthropin als Kino (die „Kurbel“) und war Stätte des Freien-Schauspiel-Ensemples, das nach einigen Irrwegen ins Titania nach Bockenheim gezogen ist.
Im März 2004 wurde das Philanthropin der Jüdischen Gemeinde in einem Festakt wieder übergeben und nach einem aufwändigen Umbau am 31. Oktober 2006 offiziell eröffnet. Heute hat die Schule 476 (auch nichtjüdische) SchülerInnen und erfreut sich zunehmender Beliebtheit.

(2) Postkarte von 1908

(3) Aufnahme von 1967 mit der „Kurbel“. (4)

Zu (5) Leider muss die Schule besonders geschützt werden. Deshalb ist vor dem Gebäude in der Hebelstraße ein Stahlzaun errichtet und während der Schulzeit bewacht ein Personenschutz die Menschen u. das Gebäude.

TEXT: J.H.

 

10.  Apotheken

(1) die Schiller-Apotheke in der Glauburgstraße kurz nach dem 2. Weltkrieg. Sie war die erste in Frankfurt, die nach dem Krieg ihre Arbeit wieder aufnehmen durfte. Sie wurde damals von Herrn Karl Ludwig Miserre geführt. Heute hat in der dritten Generation Dr. Eva Maria Miserre die Geschäftsführung inne.

(2) ein Foto der Schiller-Apotheke aus dem Jahr 2010. Beispielhaft kann man hier gut die Veränderungen zum Wohlstand im Stadtteil sehen.

(3) die Brot u. Feinbäckerei A. SCHleicher in der Friedberger Landstraße 119. Das Foto ist um 1913 entstanden. Die Bäckerei wurde bis ca. 1950 geführt, dann wurde sie in eine Apotheke umgebaut. Bis 1980 sah die Fassade so aus.

(4) Man beachte das Goggomobil (Auto) vor der Hausfront.

(5) zeigt die Fassade um das Jahr 2000. Auffällig ist hier, dass das ursprüngliche Gesims wieder zur Geltung gebracht wurde.

TEXT: J. H.

11.  Luisenhof / FES

(1) Luisenhof
Die Familie Rothschild ließ 1866 als Nebengebäude der „Günthersburg“ (im Park, 1840 abgerissen!) den Luisenhof (an der Weidenbornstraße, Bornheim) erbauen. Die Stadt erwarb 1889 das Grundstück und errichtete noch im selben Jahr ihren Fuhrpark. Seitdem diente der Luisenhof als Verwaltungssitz und Depot der Müllabfuhr und der Straßenreinigung, war also auch fürs Nordend zuständig. Das „Herrenhaus“, das man in der Mitte von Bild (1) sehen kann, ist noch heute erhalten und dient seit 1996 der FES (Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH) als zentrales Verwaltungsgebäude.

(2) zeigt einen Wagen der Stadtreinigung, wie er um 1900 durchs Nordend fuhr.

(3) zeigt einen Wasserspritzwagen, wie er jahrzehntelang zur Straßenreinigung benutzt wurde.

(4) zeigt wie die Feuerwehr einen Brand löscht (Vermutlich im Westend).

(5) zeigt die Burgwache aus bei einer Feuerwehrübung.
Der Turm steht unter Denkmalschutz und dient heutzutage als Kindertagesstätte. Die Burgwache (in der Burgstraße) diente bis zum Jahr 2001 als Feuerwache II. Erst im Zuge der Modernisierung der Feuerwehr wurde die Feuerwehr dort ausgelagert und es entstand ein Wohnkomplex mit vielen Wohneinheiten.

Text: J.H.

 

12.  Merianbad

Das Merianbad liegt im unteren (südlichen) Bereich der Berger Straße am Merianplatz.

Geschichte:
Das Stadtbad „Merianbad“ war ein öffentliches Reinigungsbad, zu dem die Leute gingen (noch heute gehen können!), die zu Hause kein eigenes Bad hatten. Im Nordend kennt man das sogenannte „Frankfurter Bad“, das oft in einer Nische der Küche, eines Zimmers oder sogar zwischen zwei Räumen im Flur installiert war.
Das Stadtbad am Merianplatz wurde 1888 erbaut. Es wurde im 2. Weltkrieg arg zerstört, 1945 wieder aufgebaut und restauriert, z.T. in Selbsthilfe. Im Winter 1946/47 wurde es wegen Kohlemangels geschlossen, 1967 modernisiert und umgebaut. Es entstanden 11 Reinigungsbäder. Wegen schwindender Nachfrage beschloss 2002 der Ortsbeirat das Bad in eine Markthalle umzuwandeln. Sieben Reinigungsbäder blieben erhalten, die heute noch in Betrieb sind. Ebenso eine öffentliche Toilette auf der Rückseite des Bades. Ein Café wurde vertraglich ausgeschlossen, da es schon in diesem Teil sehr viele gibt.

Für eine kurze Zeit übernahm die Firma: „Bread & Butter“ die Räumlichkeiten. Seit 2006 ist das „Merianbad“ ein Restaurant mit dem Namen: „Café-Merianbad“.
Die MERIANs waren eine Frankfurter Künstlerfamilie, Buchdrucker u.a.m..

zu (1) das Stadtbad, wie es bis 1967 aussah.

zu (2) das Stadtbad nach dem Umbau. Im Hintergrund kann man den Turm der Christuskirche sehen.

zu (3) Inneneinrichtung mit „Nierentisch“. Aufnahme 1986.

zu (4) Umbau 1967

zu (5) Das heutige Merian-Café. Im Bildvordergrund kann man die Lüftungsschächte der U-Bahnstation erkennen. Einige diese Steinfassungen wurden auf Anregung des Ortsbeirates mit Holz-Sitzgelegenheiten versehen.

Der Brunnen neben dem Bad ist auch ein Lüftungsschacht der U- Bahn.
Text: J. H.

13.  Freizeit

Erst in der Neuzeit nach der industriellen Revolution entstand der Begriff Freizeit. Eine Trennung zwischen der Arbeit und dem sonstigen Leben gab es über Jahrhunderte nicht.

Zu (1) zeigt eine Mädchengruppe aus den 20er Jahren. Auffällig sind hier die Zöpfe der jungen Frauen, die damalige Mode. Damals war es auch modern, die Natur zu entdecken und sie als „Wandervögel“ zu erschließen. Man wollte sich von der zivilisierten durchrationalisierten Welt abwenden.

zu (2) Ein typisches Bild aus den frühen 70ern. „Lieder im Park“ gab es im Grüneburgpark. Auch hier im Holzhausenpark sang man Lieder gegen den Vietnamkrieg und andere „Protestlieder“.

zu (3) Auch dieses Bild stammt aus der „Zurück-zur-Natur-Bewegung“ der 20er Jahre.

zu (4) Die Musikschule war in der Egenolffstraße 40. Es gab Unterricht in Violine, Cello, Klavier, Gesang, Gitarre, Laute u. Mandoline. Der Mandolinen-unterricht verlief nach einer eigenen „gesetzlich geschützten Methode.“Ein Schülerkonzert mit so vielen Mandolinen, so etwas kriegt man heute nicht mehr hin!

zu (5) Ein Hochfahrrad im Holzhausenviertel. Das Foto stammt aus dem Jahr 1927. Der Radler heißt Carl CUNO
Unsere Arbeitsgemeinschaft hat die Abkürzung „KuNo“. Zufall??

zu (6) Ein Sängerfest vor 1900?

zu (7) Diese jungen Männer feierten 1924 ein Sommerfest beim Sportclub 1880 in Phantasieuniformen. Ansonsten spielte man dort Rugby oder Rasenhockey. Beide Sportarten werden noch immer bei diesem Sportverein gepflegt, der nördlich des Alleenringes und südlich der Bertramswiese liegt. Im Hintergrund kann man den Hauptfriedhof sehen.

zu (8) Ein „Frühlingstanz“, einstudiert für das Fest zur „Frauenhilfe“ aus der Zeit der Weimarer Republik.

zu (9) Ein Detektor-Radio (in der Mitte des Bildes) verlangte keinen Stromanschluss, aber alle mussten einen Kopfhörer tragen, um überhaupt etwas zu hören.

Text: J. H.

 

14.  Männer

(1) Ist er nicht furchterregend, der Boxer von 1924?

(2) (3) „Wann ist ein Mann ein Mann?“ Um die Wende zum 19. Jahrhundert war ein Mann nur dann ein richtiger Kerl, wenn er eine Uniform trug und einen „Schnauzer“ (Bart) hatte.

(4) Viele Waren wurden mit dem Fahrrad ausgefahren. Hier agierte das Malergeschäft Lenz. Es hätte auch ein „Brezelbub“ aus einer Bäckerei sein können. Man achte hier auf die Gaslaternen, die es heute noch vereinzelt in Frankfurt gibt.

(5) Die Bauschlosserei Clemens Brendel (gegründet 1879) gibt es noch heute in der Egenolffstraße 21.Allerdings hat die Firma nur noch 8 Mitarbeiter. Unschwer kann man an der Kleidung erkennen, wer
schwere körperliche Arbeit verrichten musste und wer für die Akquise (Kundenwerbung) oder andere Bürotätigkeiten zuständig war.

(6) Wir wissen nicht, wo diese „Männerrunde“ aufgenommen wurde. So oder so ähnlich saßen 1911 Männer beim Bier zusammen.

(7) Im Hintergrund ist die Bornheimer Realschule (Luise-von-Rothschild-Schule) (Rohrbachstraße/ Martin-Luther-Straße) zu sehen. Früher floss entlang der Straße der Rohrbach, der unterirdisch kanalisiert wurde. Vermutlich sind hier zwei Klassen mit ihren Lehrern zu sehen.

Text: J.H.

 

15. Frauen

1) Frauen trugen im 17. Jahrhundert schwarze Brautkleider, weil schwarz bis ins 18. Jahrhundert eine Modefarbe war. Später setzte sich die Farbe weiß durch. Es besteht die Vermutung, dass nur eine „Jungfer“ weiß tragen durfte; eine Witwe, die wieder heiratete, durfte nur schwarz tragen. (Foto vor 1900)

2) Sah Frauenemanzipation vielleicht 1920 so aus?

3) „Geil“, würde man heute sagen, zu diesen herrlichen Frisuren aus den 50ern und den Anfängen der 60ger Jahre! Hier sehen wir eine Familie, die im Nordend zu Besuch war.

4) Der klassische Kinderwagen aus den 40er Jahren. Wer weiß, wo die Gaststätte „Stadelmann“ gewesen ist?

5) Mutter mit ihren drei Kindern? (1914) Vermutlich hat der Mann dieses Familienfoto „geschossen“.

6) Vermutlich eine Mädchenklasse der Bornheimer Realschule um 1920/1930 Vielleicht war es auf der Wegscheide? Vielleicht kennen Sie jemanden? Man beachte die Beinhaltung der jungen Frauen. Einen Strauß selbst zu pflücken, war nichts Ungewöhnliches, da die Blumenvielfalt auf der Wiese Normalität war.

7) Eine Hochzeitsgesellschaft von 1932 in der Usinger Straße 12. Der Blumenkranz um die Stirn der jungen Mädchen war üblicher Schmuck der damaligen Zeit.

 

 

16.  Kinder

1. zeigt ein Schulmädchen beim Überqueren der Günthersburgallee in Höhe der Rothschildallee. Bis in die 80er Jahre war es üblich, dass die Schulkinder Schulranzen trugen.
(um 1900)

2. Ein arrangiertes Foto Der Reif wurde (meist auf der Straße) mit einem kleinen Stock zum Rollen gebracht und man lief hinterher. Der Leiterwagen wurde nicht nur von den Kindern benutzt, sondern war ein übliches Transportmittel. Die Sprossenräder waren üblicherweise nicht bereift, sondern mit einer Stahlummantelung versehen.

3. Das Stricken gehörte zur Ausbildung einer jeden Frau. Socken, Pullover, sogar Unterhosen (die Wintertage waren kalt!) wurden selbst gestrickt. Das Foto stammt vermutlich aus dem Jahr 1924.

4. Ein Foto von 1935 in der Gluckstraße/Neuhofstraße. Mit einem Fahrrad konnte man sich damals glücklich schätzen. Die Vorderradbremse des Fahrrades drückte u. wirkte so unmittelbar auf den Reifen.

5. Der katholische Kindergarten mit der Ordensschwester Alberta. Das Foto wurde Anfang der 50er Jahre geschossen. Rhetorische Frage: Käme heute ein solches Foto zustande? Oder anders gefragt, würden Kinder heute so ruhig stehen bleiben?

6. Im Hintergrund ist die Rothschildallee zu sehen. (1941)

7. Typisch für die Jahre 1940/1950 die Steinspüle und die praktische Plastiktischdecke. Die Antibabypille gab es noch nicht. Ein Foto im 6 x 6 cm Format hatte damals einen „Büttenrand“ (gewellter Rand.

8. Wer kennt ihn nicht, den Mann rechts in der Ecke? Ein wenig ängstlich war man schon als Kind, wenn der Mann mit der Rute kam. Man beachte das schwarze Scheibentelefon. Es gab keine anderen Modelle!!

Text: J. H.

 

17. Nazizeit und Krieg

(1) NordendbewohnerInnen, die sich zu einer Luftschutzübung vermutlich in einer Schule einfinden mussten. Das Datum 1937 belegt, dass schon vor Beginn des Weltkrieges II (1. Sept. 1939 mit dem Überfall auf Polen) das Deutsche Reich auf einen Krieg vorbereitet wurde.
(2) auf dem Foto sind „Pimpfe“ zu sehen (Pimpf bedeutet eigentlich kleiner Furz. Der Begriff wurde von den NAZIS offiziell übernommen und bezeichnete das Deutsche Jungvolk, die 10- bis 14-jährigen organisierten Jungen. Später musste man in die HJ = Hitlerjugend eintreten), die in Reihe und Glied in der Schlosserstraße antreten mussten. Der Längste unter den Jugendlichen hatte keine „Winteruniform“ und trat deshalb in heller Kleidung an.
(3) Eine Parade deutscher Soldaten an der Friedberger Landstraße 72, vor dem Friedberger Platz.
(4) zeigt eine Demonstration des Kriegervereins vor 1933, bei der deutlich der „Hitlergruß“ von etlichen Leuten zu sehen ist. Kriegervereine „pflegten“ soldatische Kameradschaften und waren politisch konservativ bis äußerst rechts orientiert.
(5) Man beachte den Hinweis im Geschäft, dass es sich hier um ein „Deutsches Geschäft“ handelt. Juden wurden im Dritten Reich seit 1933 systematisch verfolgt und später auch vor allem in den von Deutschen besetzten Gebieten systematisch vernichtet. Auch in Frankfurt mussten deutsche Juden sich an der Großmarkthalle einfinden, um dann in Vernichtungs-Lager abtransportiert zu werden. Heute kann man auch im Nordend auf dem Bürgersteig sogenannte „Stolpersteine“ finden, die daran erinnern, dass hier jüdische Frankfurter gelebt haben.
(6) Bei einem „Jubeltag“ wurde die schwarz-weiß-rote Fahne des Deutschen Reiches gezeigt. Hier in der Höhenstraße 44.
Das Foto (7) zeigt die Friedberger Landstraße (in Höhe Scheffelstraße) nach einem Bombenangriff auf Frankfurt 1944.
(8) Amerikanische Soldaten auf der Berger Straße in Höhe der Saalburgstraße (Bornheim).
(9) Die Trümmer mussten beseitigt werden. Das geschah bis in die 50er Jahre mit Pferdefuhrwerken.
Text: J. H.

 

18. Veränderungen

Die Fotos 1 – 3 zeigen die Veränderungen des Rotlintcafés in der Rotlintstraße 60. (Straße zwischen Friedberger Platz und Münzenbergstraße nördlich des Alleenringes, fast parallel zur Frd. Ldstr.) Bild 1 stammt von 1933.
Das Rotlintcafé hat mehrfach seine Größe und seinen Standort gewechselt. Seit 1893 war es ursprünglich dort, wo die Beschriftung das „Rotlint-Café“ bezeichnet. Es wurde 1985 mit einem Mauerdurchbruch hin zum „Sarotti-Geschäft“ erweitert.
Das heutige Rotlintcafé ist jetzt ausschließlich dort, wo früher der „Sarotti-Laden“ war. In dem ursprünglichen Rotlintcafé ist jetzt das Restaurant & Bar „Blume“.
Das Bild 3 von 2010 zeigt die Rotlintstraße 60 mit dem heutigen Besitzer Arief Imanu-warta.

Die Fotos 4 – 6: Die meisten Frankfurter kennen das Gebäude unter dem Namen Volksbildungheim, das ursprünglich ein Ausbildungshaus des Kaufmännischen Vereins war.
Bild 5 zeigt die Eschersheimer Landstraße und die Zerstörung des Gebäudes von 1944. Im Volksbildungheim wurden vornehmlich Kurse der Volkhochschule (VHS) abgehalten, aber auch Theater gespielt, Fasching gefeiert und größere politische Saalveranstaltungen zelebriert (gefeiert).

U.a. hatte das „Vorläufige Frankfurter Fronttheater“ mit Matthias Beltz dort seine letzte Aufführung. Auch das TAT (Theater am Turm) gastierte dort. Heute ist das Gebäude runderneuert, d.h. nur die Außenfassade ist geblieben, der Kern wurde vollständig erneuert und ist jetzt das größte Kino Frankfurts mit dem Namen „Metropolis“.

Die Fotos 7 – 9 zeigen das Café „Größenwahn“ an der Ecke Nordend/Lenau-straße und die Veränderungen vor dem Café. Foto 7: So sah es um die Jahrhundertwende aus. Man beachte die (wohltuende) Leere der Straßen! (8) Bis in das Jahr 2010 war der „Vorplatz“ mit Autos verstellt. Das Café feierte im Dezember 2009 sein 30jähriges Jubiläum.
Nunmehr ist eine sogenannte „Begegnungszone“ am Nordendspielplatz eingerichtet. Die gelben Klötze sollen als Sitzgelegenheit dienen und gleichzeitig verhindern, dass dort Autos parken.

Text: J.H.